Internet für HistorikerInnen

» Zuletzt aktualisiert: Do, 04/29/2010 - 14:06 | Eingetragen: So, 08/02/2009 - 18:14

Überblick

1. Chancen und Risiken der Intenetrecherche

 1.1 Wissenschaftliche Angebote

 1.2 Nicht-wissenschaftliche Angebote

 1.3 Quellenkritik bei Internetquellen

2. Wichtige Websites

 2.1 Epochenübergreifend

 2.2 Alte Geschichte

 2.3 Mittelalterliche Geschichte

 2.4 Neuere und neueste Geschichte

3. Leküreempfehlung


1. Chancen und Risiken der Internetrecherche

Neben der wohl allseits gut bekannten Online-Enzyklopädie existieren für Historiker viele Angebote, die sowohl als „Quellenspeicher“ als auch als Literaturbeschaffungsmöglichkeit dienen können.

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1.1 Wissenschaftliche Angebote

Im Internet finden sich Homepages, die entweder von Forschungseinrichtungen (z. B. den Monumenta Germaniae Historica oder dem Institut für Zeitgeschichte München), von Universitätsinstituten und -seminaren, von Bibliotheken oder von anderen staatlichen Einrichtungen (z. B. dem Bundesarchiv) betrieben werden.

 

Neben den Katalogen der Bibliotheken und den Meta-Suchmaschinen (z. B. dem Karlsruher Virtuellen Katalog) bieten diese Institute eine Reihe weiterer Informationen an.

 

So kann mit deren Hilfe auf Quellen (z. B. Handschriften oder Akten) zugegriffen werden, die bereits in gedruckter Form vorliegen oder aber gar nicht in Tübingen vorhanden sind. Diese können teilweise mithilfe von Suchmaschinen nach Stichwörtern durchsucht werden. Außerdem ermöglichen Datenbanken den Zugriff auf die wichtigsten Lexika, Bibliographien und weitere Überblicksdarstellungen. Dabei hilft das Datenbank-Infosystem, das über die Seite der UB erreichbar ist.

Zunehmend werden auch Fachzeitschriften im Netz digital zur Verfügung gestellt (E-Journals). Teilweise wird für die Nutzung eine Lizenz benötigt. Auf den Seiten der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek (EZB) kann man einzelne Zeitschriften suchen und auf diese zugreifen, soweit sie entweder kostenlos zur Verfügung gestellt werden oder aber die UB die jeweilige Lizenz erworben hat.

Auf den Seiten von Verlagen finden sich häufig Angaben zu den jeweiligen Autoren. Dies kann bei der Suche nach biographischen Informationen nützlich sein, genauso wie der Blick auf die Website eines Wissenschaftlers meist weiterführende Informationen bietet, als die Suche bei Wikipedia.

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1.2 Nicht-wissenschaftliche Angebote

Neben den oben genannten bietet das Internet natürlich noch eine weit größere Anzahl an weiteren Websites, die aber nicht als wissenschaftlich gelten können. Als Kriterium gilt dir Überprüfbarkeit der Aussagen.

Diese Websites ermöglichen es, Informationen zu einem Thema zu bekommen, die sonst nicht verfügbar wären, sei es, weil sie nicht gedruckt oder nur regional begrenzt vorliegen. Zuerst sollte aber immer versucht werden, auf oben genannte wissenschaftliche Informationsquellen zurückzugreifen.

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1.3 Quellenkritik bei Internetquellen

Um Quellen von solchen Websites für eine wissenschaftliche Arbeit verwenden zu können, müssen einige wichtige Punkte beachtet werden.

Auch oder besonders bei Informationen aus dem Internet gilt es den Nachweis über die Quelle der Information zu benennen. Neben den normalen bibliographischen Angaben (bei Aufsätzen oder Artikeln) muss auch immer der genaue Link zur Website aufgeführt werden und das Datum der letzten Einsicht angegeben werden.

Bei Internetquellen ist außerdem unbedingt eine intensive Quellenkritik durchzuführen. Besonders sind hierbei der Autor und die Glaubwürdigkeit der Quelle zu überprüfen, da das Internet jeder Person die Möglichkeit bietet, unter einem beliebigen Namen Texte und Informationen zu veröffentlichen. Die inhaltliche Nachvollziehbarkeit der verwendeten Quellen stellt bei Informationen aus dem Internet ein weiteres Problem dar, weil der Inhalt einer Website häufig nicht durch Fußnoten und Literaturverzeichnisse ergänzt wird.

Internetquellen, ohne Angabe des Autors oder unter einem Pseudonym veröffentlicht, sind somit genauso wie derartige Sekundärliteratur nicht zitierfähig und für die Studienarbeit nicht verwendbar.

Einen guten Hinweis auf die Glaubwürdigkeit einer Website gibt häufig die Institution, die hinter der Website steht. So sind Texte, die auf der Homepage eines Forschungsinstituts oder einer Universität veröffentlicht sind, im Allgemeinen vertrauenswürdiger als Texte von privaten oder kommerziellen Homepages.

Trotzdem ist ein genauer Umgang mit Informationen aus dem Internet immer erforderlich, soweit die Informationen im Rahmen einer Studienleistung verwendet werden sollen. Für den schnellen Überblick kann natürlich auch weiterhin auf die bekannte Online-Enzyklopädie zurückgegriffen werden.

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2. Wichtige Websites

Hinweis: Manche Websites sind momentan nur über das Uni-Netz erreichbar. Dieses ist über die Rechner in Instituten und dem ZDV, teilweise auch in Wohnheimen des Studentenwerks oder mithilfe des VPN-Clients  verfügbar. Websites die nur über die genannten Zugänge verfügbar sind, sind in der folgenden Liste mit einem * gekennzeichnet.

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2.1 Epochenübergreifend

UB Uni Tübingen

Neben dem Bibliothekskatalog kann man über die UB-Homepage auch auf die Lernplattform ILIAS, die Elektronische Zeitschrifenbibliothek und auf diverse Datenbanken zugreifen.

Historisches Seminar der Uni Tübingen

Auf den Seiten des Historischen Seminars kann man Informationen über die DozentInnen und Einrichtungen, Lehrveranstaltungen und zu Prüfungsordnungen finden. Auf der Startseite finden sich außerdem Veranstaltungshinweise und Termine. Ein regelmäßiger Blick auf die Website lohnt sich also.
Karlsruher Virtueller Katalog (KVK) Der KVK ist eine Metasuchmaschine, mit deren Hilfe deutsche, österreichische, schweizerische und weitere internationale OPACs durchsucht werden können.
Journal Articles Database (JADE) Mithilfe der Aufsatzdatenbank JADE können Zeitschriften nach bestimmten Themen oder Autoren durchsucht werden.
Jahresberichte für deutsche Geschichte (JdG) Die Jahresberichte für deutsche Geschichte verzeichnen Publikationen zur gesamten deutschen Geschichte, von der Geschichte der römischen Provinzen bis zur Gegenwart. Bis zum Jahr 1990 wurden nur die Werke ab dem frühen Mittelalter erfasst. Mithilfe der Suchmaschine können neben Monographien und Sammelbänden auch einzelne Aufsätze, Bibliographien und Nachschlagewerke gefunden werden.

Allgemeine Deutsche Biographie (ADB)/ Neue Deutsche Biographie (NDB)

Auf dieser Website können Biographien zu bedeutenden Persönlichkeiten des deutschen Sprachraums vom frühen Mittelalter bis zur Gegenwart gesucht werden. Insgesamt sind bisher ca. 90.000 Personen erfasst.
Geschichte im Internet Der Katalog, bereitgestellt von der Universität Dortmund, listet wichtige Homepages nach Epochen und Themen getrennt auf.

Server für digitale historische Karten

Das Institut für Europäische Geschichte Mainz stellt auf dieser Homepage Karten vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart bereit, wobei der geographische Schwerpunkt auf Deutschland liegt.

 

Fachportale:

Clio online. Fachportal für Geschichtswissenschaften  
Humanities, Sozial- und Kulturgeschichte (H-Soz-u-Kult)
 
Historicum. Geschichtswissenschaften im Internet  
Sehepunkte. Rezensionsjournal für die Geschichtswissenschaften  

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2.2 Alte Geschichte

L’Année Philologique

 

Der Neue Pauly*

 

The Latin Library

 

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2.3 Mittelalterliche Geschichte

Monumenta Germaniae Historica (MGH)

Die Monumenta Germaniae Historica, 1819 von Karl Freiherr vom Stein als "Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde" gegründet, haben ihren Sitz seit Ende des Zweiten Weltkriegs in München. Als Hauptaufgabe haben die MGH die kritische Edierung der mittelalterlichen Quellen des deutschsprachigen Raumes und die Kommentierung selbiger. Neben den Quelleneditionen und -studien geben die MGH die Zeitschrift "Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters" heraus.

Die digitalen MGH (dMGH)

Die MGH ermöglichen mit diesem kostenlosen Angebot die (Volltext-)Suche in den bereits digitalisierten Quelleneditionen.

Regesta Imperii (RI)

Die Regesta Imperii verstehen sich als "Inventar aller urkundlichen und historiographischen Quellen der römisch-deutschen Könige von den Karolingern bis zu Maximilian I. sowie der Päpste des frühen und hohen Mittelalters". Die Homepage bietet neben dem hervorragenden OPAC vor allem eine (Volltext-)Suchmaschine mit deren Hilfe über 150.000 Regesten durchsucht werden können.

Lexikon des Mittelalters Online*

Das Lexikon des Mittelalters enthält über 36.000 Einträge über die Zeit von der Spätantike bis ungefähr 1500. Das LexMA oder auch LMA ist eines der wichtigsten Lexika für die mittelalterliche Geschichte.

International Medieval Bibliography*

Mithilfe der International Medieval Bibliography kann nach den neuesten Publikationen und Aufsätzen gesucht werden.

Brepolis

Neben der International Medieval Bibliography und dem LexMA online werden von Brepols' Publishers Online noch weitere Datenbanken zur Verfügung gestellt. Für die meisten Angebote wird eine gültige Lizenz benötigt, weshalb der Zugriff nur über das Uni-Netz und mithilfe des VPN-Clients möglich ist.

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2.4 Neuere und Neueste Geschichte

100(0) Schlüsseldokumente zur deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert

Auch wenn noch keine 1000 Dokumente auf der Homepage verfügbar sind, so sind die bisher eingestellten Texte doch sehr hilfreich. Neben Verträgen und Abkommen sind hier auch andere Dokumente zur deutschen Politikgeschichte zu finden. Über den Quellentext hinaus werden zu jedem Dokument eine kurze Zusammenfassung, eine wissenschaftliche Einführung, ein weiterführendes Quellen- und Literaturverzeichnis und ein Faksimile angeboten.

Lebendiges virtuelles Museum Online

Das Deutsche Historische Museum stellt mit dieser Website die Möglichkeit für einen schnellen und fundierten Überblick über die deutsche Geschichte von der Reichsgründung im Jahr 1871 bis zur Gegenwart zur Verfügung. Hier finden sich zu den einzelnen Artikeln auch Videos, Bilder und Quellentexte, die diese Homepage zu einer Art "Quellenspeicher" machen.

documentArchiv.de

Bietet Quellentexte zur deutschen Politikgeschichte (vor allem Rechtstexte) ab 1800. Darüber hinaus werden zu den einzelnen Themen Hinweise auf weitere bereits gedruckt vorliegende Quellen gegeben.
Bibliothekskatalog des Deutschen Bundestags Ermöglicht die Suche von einzelnen Aufsätzen aus Zeitschriften und

Sammelbänden. Da die Bibliothek erst nach 1945 aufgebaut wurde, ist ältere Literatur wahrscheinlich nicht vorhanden und somit auch nicht erfasst.

Verhandlungen des Deutschen Reichstags  
Bundesarchiv  

Landesarchiv Baden-Württemberg

 

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3. Lektüreempfehlung

  • Ditfurth, Christian v.: Internet für Historiker, Frankfurt/Main; New York 1999.
  • Freytag, Nils/ Piereth, Wolfgang: Kursbuch Geschichte. Tipps und Regeln für wissenschaftliches Arbeiten, Paderborn u.a. 2004, v.a. Kapitel 5.
  • Jenks, Stuart; Marra, Stephanie (Hgg.): Internethandbuch Geschichte, Köln; Weimar; Wien 2001.
  • Jenks, Stuart; Tiedemann, Paul: Internet für Historiker: Eine praxisorientierte Einführung, Darmstadt 2000.
  • Jordan, Stefan: Einführung in das Geschichtsstudium, Stuttgart 2005.
  • Wolbring, Barbara: Neuere Geschichte studieren, Konstanz 2006, S. 197-222.

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