Die Gattungen der Fachliteratur

» Zuletzt aktualisiert: Do, 04/29/2010 - 14:01 | Eingetragen: Mi, 07/29/2009 - 19:24

Überblick

1. Zur Fachliteratur

 2.1 Die Monographie: Definition

  2.1.1 Dissertationen und Habilitationsschriften

  2.1.2 Handbücher

 2.2 Der Sammelband

 2.3 Fachzeitschriften

  2.3.1 Miszellen

  2.3.2 Rezensionen

 2.4 Das Internet

 2.5 Die Hilfsmittel

  2.5.1 Bibliographien

  2.5.2 Lexika

  2.5.3 Kommentare und kritische Editionen

3. Lektüreempfehlung


1. Zur Fachliteratur

Fachliteratur begegnet dem Studenten in drei unterschiedlichen Formen: als Monographie, innerhalb eines Sammelbands oder einer Fachzeitschrift. Zu der eigentlichen Literatur treten die Hilfsmittel im weiten Sinne hinzu. Literatur in digitalisierter Form und in besonderem Maße Hilfsmittel aller Art finden sich zunehmend auch im Internet. Zu den Literaturgattungen im Einzelnen:

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2.1. Die Monographie: Definition

Die Monographie ist die klassische Form wissenschaftlicher Beschäftigung. Ein Autor schreibt eine umfassende Darstellung zu einem Thema. Die Themen der Monographien sind in der Regel breiter ausgelegt, Einzelfragen sind Unterthemen, nicht der Hauptuntersuchungsgegenstand.

Monographien, aber noch häufiger Sammelbände, können in Reihen erscheinen, die in der Regel in Klammern gesetzt mit zitiert werden. Diese Reihen sind nicht unbedingt thematisch verknüpft, mit ihnen verbinden sich aber häufig bestimmte Denkschulen oder bekannte Herausgeber, deren Namen für die Relevanz der Arbeiten bürgen sollen.

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2.1.1. Dissertationen und Habilitationsschriften

Nur eingeschränkt gültig ist das Kriterium der inhaltlichen Breite der Monographie allerdings bei zwei der häufigsten Arten von Monographien, bei den Dissertationen und Habilitationsschriften. Diese beiden Literaturtypen dienen zur wissenschaftlichen Qualifikation (erstere als „Doktorarbeit“, letztere als Grundvoraussetzung an einer Universität Vorlesungen halten zu dürfen) und müssen Themen bearbeiten, die in dieser Form bisher noch nicht behandelt wurden. Dadurch finden sich auch Themen als Monographie ausgearbeitet, die eine eher enge Fragestellung beinhalten.

 

Beispiel: Steffen Patzold, Episcopus. Wissen über Bischöfe im Frankenreich des späten 8. bis frühen 10. Jahrhunderts (Mittelalter-Forschungen 25), Sigmaringen 2009.

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2.1.2. Handbücher

Ebenfalls Monographien können die Handbücher sein, sofern sie nur einen Autor haben. Die Handbücher sind die ‚Geschichtsbücher’ der Universität. In ihnen werden Epochen und breite Themen einführend vorgestellt. Ziel ist es in der Regel, einen gemeinsamen Nenner der Forschung zu einer Epoche darzustellen. Forschungsdiskussionen wird man meist vergeblich suchen, sofern es nicht ein eigenes Kapitel dazu gibt, wie beispielsweise in der OGG-Reihe („Oldenbourg Grundriss der Geschichte“). Handbücher dienen der ersten Orientierung zu einem Thema, außerdem bieten sie meist gut ausgewählte Literaturlisten zur Vertiefung, die allerdings durch das Erscheinungsjahr begrenzt sind.

 

Beispiel: Peter Schreiner, Byzanz 565-1453 (OGG 25), 3. Aufl. München 2008.

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2.2. Der Sammelband

Der Sammelband ist neben der Fachzeitschrift das Standardmedium für Aufsätze. Aufsätze behandeln einzelne Aspekte größerer Themen in knapper Form. Die großen Forschungsdebatten und Diskussionen bilden sich vornehmlich in Aufsätzen ab. Sammelbände haben in der Regel ein gemeinsames Rahmenthema, dem sich die Aufsätze einigermaßen nähern, auch wenn die Themenvielfalt sehr groß sein kann. Sammelbände entstehen auf Anregung eines oder mehrerer Herausgeber (Hrsg.//Hg./Hgg.) entweder aus dem Interesse ein bestimmtes Thema von mehreren Forschern bearbeiten zu lassen, nach einem Kolloquium bzw. einer Tagung zu einem Thema – in diesem Fall waren die Aufsätze zuvor Vorträge – oder zu Ehren bzw. zum Gedenken einer herausragenden Forscherpersönlichkeit, der die Schrift gewidmet ist (Festschriften/Gedenkbände).

 

Beispiele:

Als Gesamtwerk

Oliver Münsch/Thomas Zotz (Hgg.), Scientia veritatis. Festschrift für Hubert Mordek zum 65. Geburtstag, Ostfildern 2004.

 

Als Aufsatz

Mischa Meier, Zur Wahrnehmung und Deutung von Naturkatastrophen im 6. Jahrhundert n. Chr., in: Dieter Groh/Michael Kempe/Franz Mauelshagen (Hgg.), Naturkatastrophen. Beiträge zu ihrer Deutung, Wahrnehmung und Darstellung in Text und Bild von der Antike bis ins 20. Jahrhundert, Tübingen 2003, S. 45-64.

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2.3. Fachzeitschriften

Die Fachzeitschriften sind das zweite klassische Medium, in dem Aufsätze erscheinen. Daneben erscheinen in ihnen Miszellen und Rezensionen. Fachzeitschriften erscheinen regelmäßig und bilden daher den aktuellen Forschungsstand ab. Sie sind je nach Titel breiter aufgestellt (z. B. Historische Zeitschrift: HZ) oder haben unterschiedliche inhaltliche, zeitliche oder geographische Schwerpunkte (z. B. Geschichte und Gesellschaft, Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins). Zeitschriften sind häufig bestimmten Forschungsinteressen der Herausgeber entsprungen oder sind mit bestimmten Institutionen wie Museen, Archiven, Forschungsinstituten verbunden (Deutsches Archiv der MGH).

 

Beispiel: Dieter Langewiesche, Zum Wandel von Krieg und Kriegslegitimation in der Neuzeit, in: Journal of Modern European History 2 (2004), S. 5-27.

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2.3.1 Miszellen

Miszellen sind kurze Beiträge in den Fachzeitschriften, die in der Regel unter einer eigenen Rubrik zu finden sind. Sie sind eigens aufgeführt, weil sie nur kurze Abhandlungen bieten, die nicht der Durchschnittslänge eines Aufsatzes entsprechen. Zumeist enthalten sie Informationen zu aktuellen Forschungsprojekten.

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2.3.2. Rezensionen

Die Aufgabe einer wissenschaftlichen Rezension ist es, den Inhalt und Argumentationsstrang der rezensierten Literatur zusammenzufassen und in den gegenwärtigen Forschungsstand einzuordnen. Entscheidend ist es dabei nicht so sehr, Kritik zu äußern, als dem Literatursuchenden einen Hinweis zu geben, ob das Werk sich für seine Arbeit zu lesen lohnt oder nicht. Inhaltliche Relevanz ist dabei zunächst der Leitfaden an den man sich halten sollte, auch wenn die meistens zumindest kurz geäußerte Bewertung des rezensierten Werkes für eine Einordnung hilfreich sein kann.

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2.4. Das Internet

Vgl. auch Artikel Internet

Das Internet wird immer wichtiger. Zum Teil finden sich darin gedruckte Werke in digitalisierter Form, häufig in Ausschnitten. Im Moment aber ist das Internet vor allem für die Hilfsmittel und die Zeitschriften sehr hilfreich. Wichtige Lexika, Bibliographien, Quellensammlungen, oder bestimmte Jahrgänge von Zeitschriften sind zunehmend gut erschlossen und zumindest über das Uninetz verfügbar.

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2.5. Die Hilfsmittel

Die Hilfsmittel sind nicht im eigentlichen Sinne Literatur, aber unentbehrlich für jede wissenschaftliche Betätigung. Die gängigsten Hilfsmittel werden hier erläutert, weitere Hilfsmittelarten hängen vom jeweiligen Fachgebiet ab.

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2.5.1. Bibliographien

An erster Stelle stehen die Bibliographien, da mit ihnen in der Regel die Beschäftigung mit einem Thema beginnt. Bibliographien versuchen alle Literatur zu einem bestimmten Thema bis zu einem bestimmten Zeitpunkt zusammenzustellen. Vollständigkeit kann natürlich in den seltensten Fällen erreicht werden. Die Themen, zu denen bibliographiert, wird reichen von einer Epoche ganz allgemein bis zu Einzelfragen. Die wichtigsten Bibliographien erscheinen jährlich und verzeichnen Literatur, die in der Regel zwei bis drei Jahre zuvor erschienen ist.

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2.5.2. Lexika

Lexika können natürlich Wörterbücher sein, aber noch wichtiger sind die Fachlexika, die in kurzen bis sehr ausführlichen Artikeln relevante Stichwörter des übergeordneten Gebietes darstellen. Lexika können nur dann zitiert werden, wenn ein Autor unter dem Artikel genannt wird bzw. aufgeschlüsselt werden kann.

 

Beispiele verschiedener Zitierweisen:

Jörg Jarnut, Art. ‚Theudelinde’, in: LexMa 8, Stuttgart u. a. 1999, Sp. 690f.

Karl Johannes Neumann, RE II, 2 (1896), Sp. 2370, s. v. „Augustus“.

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2.5.3. Kommentare und kritische Editionen

Insbesondere in der Alten und Mittelalterlichen Geschichte sind auch Textkommentare bestimmter Quellen bzw. (kommentierte) kritische Ausgaben von Quellen zu den Hilfsmitteln zu zählen. In diesen werden die Quellen zunächst einmal ediert, in Kommentaren dann erläutert. Es werden intertextuelle Bezüge aufgeschlüsselt oder auch nur die Überlieferungslage nachvollziehbar gemacht. Kritisch wird eine Textausgabe dann genannt, wenn die Edition zumindest einen Apparat mit Textvariationen zum Haupttext enthält. Kommentare enthalten Hinweise und Interpretationen inhaltlicher Art bzw. Verweise auf Parallelstellen und Zitate.

Beispiel: Petronii Arbitri Satyricon reliqviae, ed. Konrad Müller, München u. a. 2003.

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3. Lektüreempfehlung

  • Winfried Baumgart: Bücherverzeichnis zur deutschen Geschichte. Hilfsmittel – Handbücher – Quellen, 13. durchgesehene und erweiterte Auflage, München 1999.
  • Freytag/Piereth: Kursbuch Geschichte, v. a. Kapitel 9 und 10.

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